Abstrakte Darstellung der Johannespassion: leuchtendes Kreuz, Dornenkrone und Nägel in einer stilisierten, kirchlichen Glasfenster-Optik

Lechners Johannespassion erklang in der Evangelischen Kirche Lorsbach

Beim diesjährigen Karfreitagskonzert führte der Ökumenische Chor Lorsbach in der Evangelischen Kirche Lorsbach die selten gespielte Johannespassion von Leonhard Lechner auf.

Begleitet wurde der Chor vom Ensemble „Ein fein Consort“. Die Solopartien übernahmen Felicia Brunner (Sopran), Katharina Weltzien (Alt), Sebastian Munsch (Tenor), Erhard Brunner (Bass) und Martin Falk (Tenor). Die musikalische Leitung hatte Ulrich Stoll.

Mit der Aufführung der Johannespassion widmete sich der Chor einem Werk der Spätrenaissance, das aufgrund seiner anspruchsvollen Chorsätze nur selten zu hören ist. Ergänzt wurde das Konzert durch weitere Kompositionen aus Renaissance und Frühbarock.

Lechner ist ein Schüler des Komponisten Orlando di Lasso. Von 1566 bis 1570 wurde er als Kapellknabe am Hof in München von ihm unterrichtet. Er verehrte seinen Lehrer zeitlebens und wurde zum wichtigsten Vermittler des musikalischen Stils di Lassos für die evangelische Kirchenmusik und das deutsche Lied.

Lechners Laufbahn begann in Nürnberg, danach wechselte er an den Hof des Grafen Friedrich von Hohenzollern und landete nach einem Streit mit dem Grafen als  Hofkomponist in Stuttgart.

Schon für das 5. Jahrhundert ist belegt, dass die biblische Leidensgeschichte innerhalb einer bestimmten Liturgie auf einem dafür vorgesehenen Passionston rezitiert wurde. (Töne, die heute noch in der Liturgie des katholischen Gottesdienstes zu hören sind) Wie schon im Titel seines Werkes „Historia der Passion… nach dem alten, lateinischen Kirchenchoral“ angegeben, verwendet Lechner diesen Passionston. Die Melodie-Formel wandert von einer Stimme in die andere. Doch er belässt es nicht dabei und vereint diese enge Bindung an die Tradition mit dem Einsatz aller damals modernen Stilmittel.

Lechners Johannespassion wird im Karfreitagskonzert ergänzt durch ein wichtiges Werk des Frühbarocks: „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ von Heinrich Schütz, entstanden um 1645. Schütz gehört zu den wichtigsten evangelischen Komponisten vor Bach. Viele seiner Kompositionen sind im Dreißigjährigen Krieg entstanden: Er war der musikalische Chronist der Schreckensjahre zwischen 1618 und 1648. In seiner Musik spiegeln sich Zerstörung und Depression, aber auch Hoffnung und Zuversicht. Schütz gilt als der erste deutsche Komponist von europäischem Rang. 

Heinrich Schütz wurde am 8. Oktober 1585 in Köstritz (Thüringen) geboren. Er wuchs in Weißenfels auf, wo seine musikalische Begabung früh auffiel. Der Landgraf Moritz von Hessen-Kassel förderte seinen Besuch der Hofschule in Kassel, danach ein Studium in Italien. Ab 1615 war Schütz Hofkapellmeister in Dresden. Die sieben Worte Christi am Kreuz gehören zu seinem Spätwerk. Schütz starb am 6. November 1672 in Dresden.

Außerdem werden beim Konzert Werke von Johann Schein, Johann Theile und Dieterich Buxtehude gesungen und gespielt – bedeutende deutsche Komponisten des 17. Jahrhunderts, die den Übergang vom Früh- zum Hochbarock prägten.