Abstrakte Darstellung der Johannespassion: leuchtendes Kreuz, Dornenkrone und Nägel in einer stilisierten, kirchlichen Glasfenster-Optik

Lechners Johannespassion und Co.

Was ist ein Pastoralton? Was bedeutet der Kontrapunkt in der Komposition? Was ist eine Motette? Antwort auf diese Fragen bekommen Besucher beim Karfreitagskonzert am 03.04.2026 um 17:00 Uhr der Evangelischen Kirche Lorsbach. Diesmal steht Musik aus der Spätrenaissance und dem Frühbarock auf dem Programm. Kernstück des Konzerts ist die Johannespassion des bedeutenden Komponisten Leonhard Lechner. Sie  gehört zu den eindrucksvollsten Schöpfungen der Passionsmusiken. Trotzdem wird sie selten aufgeführt – sie verlangt den Sängerinnen und Sänger einiges Können ab.

Lechner ist ein Schüler des Komponisten Orlando di Lasso. Von 1566 bis 1570 wurde er als Kapellknabe am Hof in München von ihm unterrichtet. Er verehrte seinen Lehrer zeitlebens und wurde zum wichtigsten Vermittler des musikalischen Stils di Lassos für die evangelische Kirchenmusik und das deutsche Lied.

Lechners Laufbahn begann in Nürnberg, danach wechselte er an den Hof des Grafen Friedrich von Hohenzollern und landete nach einem Streit mit dem Grafen als  Hofkomponist in Stuttgart.

Schon für das 5. Jahrhundert ist belegt, dass die biblische Leidensgeschichte innerhalb einer bestimmten Liturgie auf einem dafür vorgesehenen Passionston rezitiert wurde. (Töne, die heute noch in der Liturgie des katholischen Gottesdienstes zu hören sind) Wie schon im Titel seines Werkes „Historia der Passion… nach dem alten, lateinischen Kirchenchoral“ angegeben, verwendet Lechner diesen Passionston. Die Melodie-Formel wandert von einer Stimme in die andere. Doch er belässt es nicht dabei und vereint diese enge Bindung an die Tradition mit dem Einsatz aller damals modernen Stilmittel.

Lechners Johannespassion wird im Karfreitagskonzert ergänzt durch ein wichtiges Werk des Frühbarocks: „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ von Heinrich Schütz, entstanden um 1645. Schütz gehört zu den wichtigsten evangelischen Komponisten vor Bach. Viele seiner Kompositionen sind im Dreißigjährigen Krieg entstanden: Er war der musikalische Chronist der Schreckensjahre zwischen 1618 und 1648. In seiner Musik spiegeln sich Zerstörung und Depression, aber auch Hoffnung und Zuversicht. Schütz gilt als der erste deutsche Komponist von europäischem Rang. 

Heinrich Schütz wurde am 8. Oktober 1585 in Köstritz (Thüringen) geboren. Er wuchs in Weißenfels auf, wo seine musikalische Begabung früh auffiel. Der Landgraf Moritz von Hessen-Kassel förderte seinen Besuch der Hofschule in Kassel, danach ein Studium in Italien. Ab 1615 war Schütz Hofkapellmeister in Dresden. Die sieben Worte Christi am Kreuz gehören zu seinem Spätwerk. Schütz starb am 6. November 1672 in Dresden.

Außerdem werden beim Konzert Werke von Johann Schein, Johann Theile und Dieterich Buxtehude gesungen und gespielt – bedeutende deutsche Komponisten des 17. Jahrhunderts, die den Übergang vom Früh- zum Hochbarock prägten.

Es begleitet das Ensemble „Ein fein Consort“. Die Solisten sind Felicia Brunner (Sopran), Katharina Weltzien (Alt) , Sebastian Munsch (Tenor), Erhard Brunner(Bass) und Martin Falk (Tenor).

Der  Eintritt  beträgt 15 Euro, ermäßigt 13 Euro.