Ein nahezu vergessenes Werk wieder zum Klingen gebracht
Am 30. November fand in der Lorsbacher Kirche das Adventskonzert des ökumenischen Chors Lorsbach statt. Aufgeführt wurde das Oratorium „Die Geburt Jesu“ von Carl Stein, ein Werk, das heute nur selten im Konzert zu hören ist. Dank unseres Dirigenten Ulrich Stoll kam dieses Oratorium aus dem Jahr 1851 wieder ans Licht.
Der Chor wurde von Solisten und Orgel begleitet. Die Aufführung lebte vom Zusammenspiel aller Beteiligten und von der besonderen Akustik der Kirche. Passagen mit Doppelchor bezogen den Kirchenraum hörbar mit ein und verliehen der Musik eine zusätzliche räumliche Dimension.
Wir danken allen Besucherinnen und Besuchern für ihr Kommen und den herzlichen Applaus.
| Felicia Brunner | Sopran |
| Anna Kobinger | Alt |
| Zacharias Kraus | Tenor |
| Sebastian Munsch | Tenor |
| Erhard Brunner | Bass |
| Erhard Brunner | Orgel |
Der Ökumenische Chor Lorsbach
Der Komponist Carl Stein (1824 – 1902) war von 1850 bis 1901 Organist an der Stadt- und Schlosskirche Wittenberg, der Kirche, an der Luther seine Thesen anschlug. Eigentlich war Stein für diese Stelle überqualifiziert. Gefragt war ein passabler Organist und Musiklehrer, Stein aber hatte bereits bei seiner Ausbildung am Königlichen Institut für Kirchenmusik in Berlin und etliche Stücke komponiert, unter anderem „Die Geburt Jesu“. Nicht wenige befürchteten daher, dass der 26-jährige seine Tätigkeit in Wittenberg bald wieder aufgeben würde.
Doch es kam anders. Stein zog mit seiner jungen Frau in die Wittenberger Kantorei, bekam sieben Kinder und blieb. Er beglückte die Gemeinde mit seinem Orgelspiel, komponierte volkstümliche Lieder und Motetten, die die er später in den verschiedenen Bänden seines „Sursurii corda“ („Aufwärts die Herzen“) zusammen stellte, und die durch ihre besondere Eignung fiir den Gebrauch beim Gottesdienst den Namen Steins weit über Deutschlands Grenzen hinaustrugen. Er gab Privatunterricht, förderte zahlreiche andere Musiker und war bekannt für seinen Humor, der sich unter anderem in gesungenen Toasts auf Gesellschaften ausdrückte. Zeitgenossen charakterisierten ihn als einen genügsamen Menschen, diese Genügsamkeit hat wohl dazu beigetragen, dass er in Wittenberg blieb und nicht anderswo seine Karriere vorantrieb.

„Die Geburt Jesu“ für Chor, Orgel und Soli ist sein einziges Oratorium. Es wurde 1851 in Wittenberg aufgeführt. Eine Besonderheit des Werkes sind unter anderem die Passagen für Doppelchöre. Die Komposition weist ungewöhnliche harmonische Wendungen auf, erinnert aber auch an Bachs Polyphonie. Zeitgenössische Kritiker bescheinigten Stein „eine leicht fassliche Melodik, schlichte und ungekünstelte Harmonik und eine strenge und doch ungezwungene, allen aparten Seitensprüngen abholde Führung der Singstimmen.“ Das heißt mit anderen Worten: Steins Kompositionen sind so ungekünstelt, so leicht verständlich, dass es man sie genießen kann, ohne dass es weiterer Erläuterungen bedarf.

Foto: © Ökumenischer Chor Lorsbach; KI-generierte Illustration (OpenAI / DALL·E)